ebook_Grundlagen der Unterrichtsmethodik

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Kurs: Methodensammlung RITA
Buch: ebook_Grundlagen der Unterrichtsmethodik
Gedruckt von: Gast
Datum: Mittwoch, 21. Oktober 2026, 06:26

1. Grundlagen zur Unterrichtsmethodik

In dieser Einführung erhalten Sie einen Einblick, worauf bei der Wahl einer Methode zu achten ist und wie diese Methodensammlung aufgebaut ist.

1.1. Einstiegsbeispiel

Marc F. bereitet an einem freien Wochenende seine nächste Lernveranstaltung über 8 Lektionen vor. Er hat seinen Lehrplan konsultiert, daraus die zum Thema passenden Kompetenzen und Lernziele herausgeschrieben und weiss nun, welche Inhalte er mit welcher Wichtigkeit behandeln möchte. Die Klasse konnte er in den ersten beiden Veranstaltungen kennen lernen. Er konnte feststellen, dass sie gewillt sind und gut mitmachen, doch die Unterschiede im Vorwissen sind sehr gross.

Inhaltlich und fachlich ist ihm alles klar, doch wie soll er all diese Ziele mit diesen unterschiedlichen Voraussetzungen in diesen Lektionen erreichen? Immer wenn er an die methodische Planung der Lernveranstaltung herangehen soll, greift er auf seine zwei Standardmethoden zurück: Lehrvortrag und anschliessende Einzelübung. Im Grunde funktioniert dieser Ablauf bei seinen Lernenden recht gut, wenn es um das Einüben von einfachen Fertigkeiten geht. Doch gerade bei diesem Thema möchte er mehr erreichen. Die Lernenden sollen sich mit ihrem Vorwissen und Erfahrungen einbringen, mitdiskutieren und selber Lösungen generieren. Sie sollen nebst dem Fachwissen auch ihr Können zeigen und für die praxisnahen Inhalte Feuer fangen. Es gibt so viele schöne Verknüpfungspunkte zur Praxis! Mit welchen Methoden können die Lernenden diese selber aufarbeiten und entwickeln? Muss überhaupt alles Wissen zuerst in einem Lehrvortrag präsentieren werden oder gibt es nicht bessere Methoden, welche dasselbe Ziel erreichen und die Teilnehmenden stärker aktiviert?

Soll er es wieder mit einer grossen Gruppenarbeit versuchen? „Oh, nein“ denkt er sich  und erinnert sich an die Durchführung im letzten Jahr. Diese nicht enden wollenden Präsentationen aus den Gruppen brachten nicht die Qualität, welche ihm vorschwebt. Die Arbeit in den Gruppen selbst hat er schon beobachtet und toll gefunden. Eigentlich schade. Gibt es nicht bessere Methoden der Auswertung einer Gruppenarbeit?

Sicherlich haben Sie sich auch schon solche Überlegungen gemacht und sind mit denselben Fragen konfrontiert gewesen. Bei der methodischen Planung einer Lernveranstaltung  müssen Sie sich vorstellen können, wie die Klasse auf die einzelnen Aufträge und Methoden reagieren könnte und wie viel Zeit sie in Anspruch nimmt. Es macht nicht Sinn, eine Lernveranstaltung mit Methoden zu überhäufen und am Ende das Ziel und die Kompetenzentwicklung der Lernenden aus den Augen zu verlieren. Umgekehrt wäre es immer wieder wünschenswert, könnte man auf ein Repertoire zurückgreifen, welche nicht nur Abwechslung hineinbringen, sondern auch auf unterschiedlichen Ebenen den Lernprozess unterstützen und die Lernenden fordern. Eine Methodensammlung, welche mehr ist als eine kurze Beschreibung, hilft Ihnen sicherlich dabei, den Unterricht zielführend zu gestalten. 

Wir haben unsere Erfahrungen in die vorliegende Methodensammlung eingebracht und versucht, sie möglichst einfach und übersichtlich zu gestalten. Wir orientieren uns an wenigen didaktischen Prinzipien, welche im Folgenden erläutert werden. 



1.2. Berücksichtigung der Rahmenbedingungen

Die Entscheidung darüber, welche Methoden in welcher Kombination in einer bestimmten Unterrichtssituation ihren Einsatz finden sollen, müssen Ausbildende unter Einbezug der Lernenden und Rahmenbedingungen selbstverantwortlich treffen. Eine Methode darf nie zum Selbstzweck eingesetzt werden und ist unter verschiedenen Rahmenbedingungen zu betrachten.

  • Methode und Kompetenz: Kompetenzentwicklung bedeutet, dass die Lernenden auch anspruchsvolle Situationen in der Interaktion mit Menschen und Medien bewältigen können. Dazu benötigen Sie ein Repertoire an Methoden, welche nebst der Fachkompetenz auch die Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz fördern.
  • Methode und Lernziel:In der Aus- und Weiterbildung werden mehrheitlich kognitive Lernziele verfolgt. Jede Stufe in der Lernzieltaxonomie[1]stellt besondere Anforderungen an die Methode. So kann mit einem blendenden Vortrag höchstens die Lernzielstufe K1 (Kennen) erreicht werden. Für die Stufe K3 (Anwenden) sind Methoden mit selbständigem Anteil zwingend.
  • Methode und Lernvoraussetzung: Je nach Voraussetzungen der Lernenden ist eine bestimmte Methode durchführbar oder nicht. Möchte man in einer Klasse projektartig arbeiten, muss vorgängig das entsprechende Strukturwissen (Wissen über das projektartige Vorgehen) eingeführt werden. 
  • Methode und Lehrvoraussetzungen: Als Anfänger sollte die Lehrperson sich zuerst an einfache Methoden heranwagen um mit zunehmender Erfahrung den Methodenhorizont zu erweitern. Wer bereits im Berufsalltag in Projekten tätig ist, wird auch in der Ausbildung gerne projektartig arbeiteten.
  • Methode und Medium: Eine bestimmte Methode setzt unter Umständen ganz bestimmte Medien voraus, die entweder vorhanden sind, beschafft werden müssen oder gar selbst hergestellt werden müssen. Umgekehrt schränkt ein bestimmtes Medium (z.B. Video) die Wahl der Methode (Demonstration) ein.
  • Methoden und Sozialform: Bestimmte Methoden können nur eingeschränkt in einer anderen als der vorgesehenen Sozialform durchgeführt werden.
  • Methode und Zeit: Der Zeitfaktor spielt bei der Auswahl einer Methode eine wesentliche Rolle. Grundsätzlich wächst mit zunehmender Aktivität der Lernenden im Lehr- und Lernprozess der Zeitbedarf. Allerdings unterscheiden sich Methoden wesentlich in der Erreichung verschiedener Lernzielhöhen und Kompetenzen. Ein Verzicht aus Zeitgründen kann somit zu erheblichen Einschränkungen der Qualität der Lernergebnisse führen.
  • Methode und ihre Wirkungsweise. Wie jedes Medikament haben Methoden nebst der beabsichtigten Wirkung auch ihre Nebenwirkungen. So kann die Projektmethode sehr viel dazu beitragen, dass Handlungskompetenzen und Praxiserfahrungen gemacht werden, verzichtet jedoch gleichzeitig auf eine einheitliche und umfassende Wissensvermittlung. 


[1]nach Benjamin Bloom


2. Kompetenzorientierter Methodenwürfel

In diesem Kapitel erfahren Sie, weshalb die Methoden nach einer bestimmten Struktur geordnet sind.

2.1. Kompetenz

Lernen bedeutet mehr als reines Aneignen und Wiedergeben von Wissen. Konkrete Lebens- und Arbeitssituationen lassen sich nur bewältigen, wenn zuvor Kompetenzen aufgebaut wurden, die neben dem Wissen auch das Können und Wollen umfassen. 

Die Gleichung 

„Kompetenz = Wissen xKönnen x Wollen“ 

veranschaulicht, dass der Zuwachs an Kompetenz von drei Dimensionen, nämlich von Wissen, Können und dem Wollen, abhängt. Wissen allein genügt genauso wenig wie das Wollen, um eine Kompetenz auszubilden. 

Zur Ausbildung von Kompetenz braucht es eine Dimensionsausprägung in allen drei Ebenen.

Dabei bedeutet:

Wissen             Erfahrungswissen, Orientierungswissen, Sach-, Handlungs-, oder Anwendungswissen etc., um Problemstellungen oder Aufgaben zu verstehen und zu lösen. 

Können            Kognitive, sensomotorische, soziale oder emotionale Fertigkeiten, um Handlungssituationen erfolgreich zu bewältigen. 

Wollen             Bedürfnisse, Motive, Überzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen und Selbstkritik, um das Lernen wirkungsvoll zu gestalten. 

Kompetenzausprägung 

Das folgende Modell versucht die Erkenntnisse über das Wissen, Wollen und Können mit Erkenntnissen über das Lernen in einem Lernprozessmodell zu vereinen. Es orientiert sich weniger an der Struktur von Unterricht wie bei den Architekturen, sondern vielmehr an den eigentlichen Lernprozessen, welche in der Aus- und Weiterbildung von Bedeutung sind. Dabei werden die wichtigen Aspekte der Praxis- und Handlungsorientierung berücksichtigt.


2.2. Kompetenzorientiertes Lernprozessmodell RITA

Der vollständige Lernprozess beginnt mit dem Aktivieren von Ressourcen, setzt sich fort mit der Verarbeitung von Informationen, dem Anbahnen des Transfers und endet mit der Auswertung. 

Kompetenzentwicklung kann grob als ein Lernprozess in vier Schritten betrachtet werden, welches nach den Anfangsbuchstaben seiner Schritte durch das Wort RITA zusammengefasst wird.

Der Würfel baut sich somit Schicht für Schicht von unten nach oben auf.

RITA Kompetenzwürfel


A

Auswerten, Prüfen  und/oder Reflektieren

Ressourcen werden klassisch geprüft, eine Kompetenzbilanz erstellt, zur Reflexion angeregt, kontinuierliche Verbesserungsprozesse angebahnt und die Performanz beurteilt (Erfolg in der Praxis).

T

Transfer anbahnen

Know-how wird mit Transferaufgaben, Vorsatzbildungen und eigentlicher Praxisumsetzung aufgebaut. In selbstgesteuerten Phasen organisieren sich die Lernenden selbständig. Sie regulieren Interesse, Motivation und Wille über die  Reflexion ihrer Lernprozesse.

I

Informationen
verarbeiten

Neues Wissen wird an vorhandenes angeknüpft, in die eigenen kognitiven Strukturen integriert d.h. «verstanden» und in Übungen und auf aktuelle Problemstellungen angewandt.

R

Ressourcen aktivieren

Vorwissen, Interesse, Vorerfahrungen und aktuelle Problemstellungen werden aktiviert.


Folgende Regeln dabei sind zu beachten:

  • Kompetenz wird dann erreicht, wenn alle vier Stufen des Modells (von unten nach oben) durchlaufen werden. 
  • Je besser es gelingt, auf allen vier Stufen die Faktoren Wissen, Können und Wollen in den Lernprozess zu integrieren, umso nachhaltiger ist die Kompetenzausprägung. 
  • Die nächsthöhere Stufe ist umso erfolgreicher, je besser die unteren Stufen aus- und aufgebaut sind.
  • Der Königsweg ist auf allen Stufen der Einsatz von Fallbeispielen und Problemstellungen aus der Praxis.
  • Das Vierstufenmodell RITA kann über wenige Lektionen oder auch in grösseren Bildungseinheiten angewendet werden. 


2.3. Kombination von Dimensionen und RITA

Die Kombination der Kompetenzdimensionen mit den Lernprozessphasen ergibt eine Reihe an Lehrzielen, welche die mögliche Verortung einer Methode beschreibt:

RITA Lehrziele im Methodenwürfel

Wie bei einem "Morphologischen Kasten" (Zwicky-Box) können für den Lernprozess die einzelnen Felder aus den Spalten R-I-T-A passend zu den Rahmenbedingungen kombiniert werden. So ergeben sich individuelle passende Unterrichtsverläufe.
RITA morphologischer Kasten

2.4. Tipps zur Kompetenzorientierung und zu RITA

  • Bringen Sie vorerst in Erfahrung, welche Kompetenzen gemäss Lehrplan zu erreichen sind. 
  • Sammeln Sie zu den Kompetenzen Alltags- und/oder Berufssituationen mit Aufgaben und Problemstellungen. 
  • Bestimmen Sie die Lerninhalte, welche zum Erreichen der Kompetenzen als Ressourcen benötigt werden. 
  • Visualisieren Sie die Lerninhalte/Ressourcen pro Kompetenz mit je einem Mindmap.
  • Gestalten Sie Ihre Vorbereitung so, dass die einzelnen Phasen des Lehr-/Lernprozesses nach RITA dokumentiert sind. 
  • Beginnen Sie ohne Ausnahme mit der Phase «Ressourcen aktivieren». 
  • Bearbeiten Sie eine Phase nach der anderen, d.h. in der Reihenfolge R-I-T-A, ohne eine Phase zu überspringen. Sie wählen situationsbedingt aus, welche Dimensionen(n) in der jeweiligen Phase besser geeignet ist.
  • Die ersten zwei oder drei Phasen können bei Bedarf wiederholt werden. 
  • Den Lehr-/Lernprozess zur Kompetenz beenden Sie immer mit der Phase «Auswerten». 

3. Tipps zum Einsatz der Methodensammlung

Beachten Sie dabei die Hinweise im Kapitel 1. Es ist besser in einer Klasse mit wenigen Methoden zu beginnen, welche überzeugend und zielführend eingesetzt werden. 

Im täglichen Einsatz können Sie für jede Phase und Dimension eine neue Idee für den Methodeneinsatz erhalten. Jede Methode wird im Ablauf beschrieben, in ihrem Zweck und der Wirkung. Zudem werden Sozialformen (Plenum, Gruppen-, Partner-, Einzelarbeit), Zeitbedarf und Varianten angegeben. Mit den entsprechenden Kreuzen werden die Einsatzmöglichkeiten im Lernprozess RITA angegeben. Natürlich gibt es immer – je nach Auftrag – andere Einsatzmöglichkeiten und Varianten der Methode. Probieren Sie es ruhig aus!

Name der Methode

Beschreibung

Ablauf der Methode wird beschrieben

Zweck und Wirkung

  • Liste

Sozialform

PlenumPlenum     Gruppe Gruppenarbeit    Partnerarbeit Partnerarbeit   Einzelarbeit Einzelarbeit

Zeitbedarf

2-20 Minuten /  20-60 Minuten / über 60 Minuten

Varianten

  • weitere Einsatzgebiete und -möglichkeiten

Links und digitale Lösungen


Einsatzmöglichkeiten im Lernprozess

RITA
Wissen

Wollen

Können

Kreuze informieren über bevorzugte Einsatzmöglichkeiten.